IT&me: Was Frauen in der IT wollen

Um den Frauenanteil in der IT zu steigern wurde im Rahmen des Forschungsprojektes IT&me eine eine E-Learning- und Vernetzungsplattform entwickelt. 

„Gerade einmal 17 % der IT-Fachkräfte sind laut einer repräsentativen BITKOM-Umfrage von 2017 Frauen. Studien zeigen auch, dass Frauen die Branche häufiger wieder verlassen. Grund dafür sind Geschlechterstereotype und die Erfahrung, ausgeschlossen zu werden. Frauen werden in der IT noch immer als Besonderheit betrachtet – entsprechend werden sie anders wahrgenommen, wenn sie etwas fragen oder etwas nicht wissen. In einem Umfeld, in dem kontinuierliches Lernen unabdingbar ist, ist dies besonders problematisch.

„Hier setzen wir an mit IT&me: Wir schaffen ein Lernumfeld, in dem Frau-Sein in der IT nicht eine Besonderheit ist, sondern die Norm“, erläutert Prof. Dr. Nicola Marsden (Hochschule Heilbronn, Lehrstuhl für Informatik), die sich als Sozialpsychologin mit Software-Entwicklung unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit beschäftigt. „Um weiblichen Fachkräften eine stärkere Teilhabe zu ermöglichen, ist es notwendig, gezielte Angebote zu schaffen und Frauen so dauerhaft an Prozessen der Produktentwicklung zu beteiligen“, beschreibt Julia Hermann von der Universität Duisburg-Essen ihre Motivation für das Projekt. Vertreterinnen der Zielgruppe werden deshalb aktiv in die Anforderungserhebung und Umsetzung mit einbezogen. Ihre Rückmeldungen zu unterschiedlichen Entwicklungsschritten fließen direkt in die Umsetzung ein und sorgen dafür, dass das Produkt – die E-Learning- und Vernetzungsplattform IT&me – ihren Anforderungen entspricht.

Eine Anforderung war, dass sich Nutzerinnen ihre Lerninhalte personalisiert zusammenfügen möchten. Prof. Dr. Tobias Brückmann (CampusLab GmbH, Geschäftsführer): „Die Inhalte werden von uns als Nuggets, also als kurze Lerneinheiten erstellt, sodass sie nach einem persönlichen Zeitplan bearbeitet werden können. Darüber hinaus werden wir auch Zertifizierungskurse mit vorgegebenen Inhalten anbieten.“ So können die Nutzerinnen sich auf der Plattform sowohl individuelle Inhalte aussuchen als auch einem organisierten Lehrpfad folgen.

Von der technischen Seite steht aktuell die Frage im Vordergrund, über welche Wege die Inhalte gefunden werden sollen. Prof. Dr. Volker Gruhn (Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Software Engineering): „Wir haben einen eigenen Empfehlungsmechanismus entwickelt, der den Nutzerinnen personalisierte Vorschläge anzeigt. Die Ergebnisse sind dabei so aufeinander abgestimmt, dass sie auch in den allgemeinen Lernpfad passen.“
Das Thema Vernetzung steht jetzt als nächstes im Mittelpunkt. Wie und wann wollen sich die Expertinnen miteinander verknüpfen? Wie wollen sie mit Unternehmen Kontakt aufnehmen? Die Funktionen dafür müssen genau abgestimmt werden, damit der Mehrwert der Plattform – eigenständige Weiterbildung und schnelle Vernetzung, auch mit Unternehmen – zur Geltung kommt. Bis Ende des Jahres 2018 wird an der Entwicklung eines testbaren Prototyps gearbeitet. Anfang 2019 wird die Plattform in einer ersten Version der Öffentlichkeit vorgestellt.

Über IT&me:

Die E-Learning- und Vernetzungsplattform IT&me bietet Frauen in der IT an, sich für ihre berufliche Karriere weiterzubilden und mit IT-Expertinnen und Unternehmen zu vernetzen. Die Plattform wird unter kontinuierlicher Partizipation der Zielgruppe entwickelt. Ziel ist es, Frauen in der IT-Branche zu ermöglichen sowohl die eigenen Kompetenzen aus- als auch ein starkes Netzwerk aufzubauen und dadurch ihre Karrierechancen deutlich zu verbessern. Das Verbundprojekt wird umgesetzt von dem Lehrstuhl für Software Engineering der Universität Duisburg-Essen, der Fakultät für Informatik der Hochschule Heilbronn, der CampusLab GmbH und dem externen Partner Edkimo. Das Vorhaben IT&me wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter den Förderkennzeichen 01FP1616, 01FP1617 und 01FP1618 gefördert.“ (Komm-Mach-MINT)

weitere Informationen:

www.itandme.de/gendergerechtigkeit-in-der-it.pdf

https://www.komm-mach-mint.de/MINT-News/Gendergerechtigkeit-in-der-IT

 

Das BMBF-Projekt FRUIT

Leider sind Frauen weiterhin in der Unterzahl in den Informatik-Studiengängen. Derzeit liegt die Quote bei 20%. Eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung mit Bezug auf Unterschiede und Maßnahmen soll aber nun dazu leiten die Attraktivität der Studiengänge bei Frauen zu erhöhen. 

„Den höchsten Frauenanteil bei den Studierenden der Informatik weisen aktuell Berlin und Brandenburg mit jeweils 21,3 Prozent auf. Die geringste Quote (14,6 Prozent) hat Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit gab es laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2016/17 rund 36.000 Informatik-Studentinnen in Deutschland. Das entspricht einer Frauenquote von 19,4 Prozent in den IT-Studiengängen.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auf Ebene der Teilgebiete der Informatik. Stärker nachgefragt sind bundesweit etwa Studiengänge der Medizinischen oder Bioinformatik mit Frauenquoten von 44,3 bzw. 37,2 Prozent.

„Seit der Einführung der Informatik als Studienfach seit dem Wintersemester 1970/71 hat sich die Zahl der Studierenden in Deutschland deutlich erhöht, jedoch ist der Frauenanteil insgesamt nur sehr gering gestiegen“, sagt Isabel Roessler. Dabei stellen Frauen ein großes Potential bei der Rekrutierung von Nachwuchs im IT-Bereich dar.
Gründe des geringen Anteils sieht die CHE Expertin unter anderem in weiterhin vermittelten Geschlechterstereotypen: „Frauen gehören in der gesellschaftlichen Sicht noch immer in die sozialen, kommunikativen und kreativen Bereiche.“
Ebenfalls würden Hochschulen noch zu selten weibliche Vorbilder und Mitstreiterinnen präsentieren und Studieninteressierten vermitteln, dass in ihren IT-Studiengängen bereits Frauen studieren. Dabei gibt es positive Beispiele. Nicht nur weibliche Professorinnen, sondern auch Absolventinnen und große IT-Pionierinnen wie Ada Lovelace können ins Feld geführt werden.
Entsprechende Beispiele und Analysen zur Situation in Deutschland sind Teil einer Überblicksstudie „Frauen in Informatik“. Die Publikation untersucht, wie der Frauenanteil in IT-Studiengängen erhöht werden kann.

Die Strukturanalyse für Deutschland zeigt dabei, dass eine Flexibilisierung der Studienangebote, etwa in Teilzeit, nicht automatisch einen höheren Anteil weiblicher Studierender verspricht. Gleiches gilt für duale, berufsbegleitende oder praxisorientierte Informatikstudiengänge.
„Die IT-Pionierinnen von morgen gewinnt man für ein Informatik-Studium nur über ein Bündel von Veränderungen“, bilanziert CHE Projektleiterin Isabel Roessler. „Nicht nur, damit mehr Mädchen nach dem Abi ein Informatikstudium starten, sondern auch, um diejenigen nicht zu verlieren, die sich bereits für ein Studium entschieden haben.“

Über diese Studie:
Die Überblicksstudie „Frauen in Informatik“ wurde zusammen mit einem ergänzenden Detail-Papier im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Datengrundlage waren der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz, das CHE Hochschulranking sowie Angaben des Statistischen Bundesamtes. Zu den Autorinnen und Autoren zählen Julius-David Friedrich, Cort-Denis Hachmeister, Sigrun Nickel, Sude Peksen, Isabel Roessler und Saskia Ulrich. Die Publikation gehört zum Projekt „Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch flexible, praxisorientierte und interdisziplinäre Studienganggestaltung“ (FRUIT). Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1635 gefördert.“ (Komm Mach Mint)

Weitere Informationen gibt es hier:

https://komm-mach-mint.de/MINT-News/FRUIT-Frauenmangel-in-der-Informatik

http://www.che.de/cms/?getObject=5&getNewsID=2157&getCB=398&getLang=de

 

Jetzt mitbestimmen wer den Welcome-Preis 2018 erhält!

Seit 2016 gibt es den vom DAAD präsentierten und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten „Welcome-Preis“, welcher im Rahmen des Programms „Welcome-Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“ in 2017 entstand. Studierende unterstützen und betreuen dabei geflüchtete Studierende und Studieninteressierte in ihrer sozialen Integration in deutsche Hochschulen.

Ganz besonderes Engagement soll so sichtbar gemacht werden.

Jetzt können Sie mitbestimmen, wer ihn erhält. 

„Entscheiden Sie mit Ihrer Stimme, welche Studierendeninitiative in diesem Jahr den ersten, zweiten oder dritten Platz des Welcome-Preises belegt! Noch bis zum 6. September 2018können Sie mittels Abstimmung Ihrem Favoriten Ihre Stimme geben.

Eine Jury hat aus zahlreichen Einsendungen bereits die drei herausragendsten Initiativen vorausgewählt. Folgende drei studentische Projekte engagieren sich besonders für die Integration von geflüchteten Studierenden an deutschen Hochschulen und werden anhand kurzer Filmportraits hier vorgestellt.

Begegnungsraum der Universität Stuttgart

BTU Welcome – Buddy und Mentor der BTU Cottbus-Senftenberg

*foundationClass der Kunsthochschule Weißensee Berlin

Die Initiaitve mit den meisten Stimmen erhält den ersten Platz des Welcome-Preises, welcher mit 10.000 € dotiert ist. Die zweitplatzierte Initiative erhält 5.000 €, Platz drei zeichnet das Engagement mit 3.000 € aus.

Das Ergebnis der Abstimmung wird auf der Welcome-Preisverleihung am 10. September 2018 im Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin unter Anwesenheit der Gewinner-Initiativen und ca. 130 im Programm Welcome engagierten Studierenden und weiterer Gäste bekannt gegeben. Die Platzierung wird zudem auf dieser Webseite veröffentlicht.“

weiterlesen:

https://www.daad.de/der-daad/fluechtlinge/infos/de/65868-welcome-preis-01-stimmen-sie-jetzt-ab/

Erfolgreiche Studienvorbereitung für 10.400 Geflüchtete mit dem Integra-Programm

Im Jahr 2017 haben sich 10.400 Geflüchtete mit Hilfe des Integra-Programms auf ihr Studium vorbereiten können.

Das Integra-Programm, welches vom DAAD und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, ermöglicht geflüchteten Studierenden eine erfolgreiche Integration in das deutsche Hochschulsystem oder auch die mögliche Weiterführung des vorangegangenen Studiums, indem verschiedene Projekte und Stipendien angeboten werden, um den Schwierigkeiten der Integration in ein neues Land und ein neues Hochschulsystem entgegenzuwirken.

Ziel des Programms ist die Integration von Flüchtlingen ins Studium, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis zum Jahr 2019 mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert wird.  Geflüchtete Studierende sollen hiermit „an den Hochschulen Fuß fassen und durch Sprachkurse und fachliche Propädeutika auf ein Studium vorbereitet werden“ (DAAD).

Zu dem Programm gehören also vor allem Sprachkurse, welche aber auch in Kombination mit Fachkursen angeboten werden. Die sprachliche und fachliche Förderung soll für ein Studium an Hochschulen sowie Studienkollegs vorbereiten und Kompetenzen vermitteln die für ein Studium in Deutschland notwendig sind.

Kompetenzermittelnde Angebote wie onSET, TestAS und uni-assist sollen werden somit zum Sprungbrett für die Eingliederung durch das Integra-Programm sein, womit mögliche sprachliche und fachliche Nachteile behoben werden sollen.

Ein Großteil der Teilnehmer/innen am Integra-Programm kommen aus Syrien. „78% der IntegraTeilnehmer/innen kommen aus Syrien, 6% aus Afghanistan und 5% aus dem Irak.“ So steht es in der 2018 Publikation der Studie „Wissenschaft Weltoffen“, welche einen Einblick in Daten und Fakten zur Internationalität von Studium und Forschung ermöglicht.

Rund 56% der Teilnehmenden haben im Rahmen des Programms einen Sprachkurs belegt, die meisten davon an einer Universität, einem Studienkolleg oder an einer Fachschule. Die vorwiegend im mittleren Niveau liegenden Deutschkenntnisse der Teilnehmer/innen konnte somit erweitert werden. „Die Mehrheit der 2017 im Integra-Programm durchgeführten Sprachkurse entsprach dem Niveau B1 oder B2 (47%) des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Lediglich 13% entfielen auf A1- oder A2-Niveau, 20% auf C1- oder C2-Niveau“ (Wissenschaft Weltoffen 2018)

Die meisten der Bewerber/innen entschieden sich für ein Studium im Bereich der Ingenieurswissenschaften, aber auch die Bereiche der Medizin und der Gesundheitswissenschaften, welche im Vorjahr an der Spitze standen, waren weiterhin beliebt, wenn auch deutlich weniger Interesse bestand. Der MINT-Bereich war mit rund 14% auch beliebt.

Um mehr über das Integra-Programm zu erfahren gibt es hier noch einmal den Link für den Bericht zur Studie „Wissenschaft Weltoffen 2018“ und die Ausschreibung vom DAAD:

http://www.wissenschaftweltoffen.de/publikation

https://www.daad.de/der-daad/fluechtlinge/infos/de/41996-integration-von-fluechtlingen-ins-fachstudium-integra/