Positive Entwicklung bei der Gewinnung von ausländischen MINT-Fachkräften

Die Gewinnung von Fachkräften  in akademischen MINT-Berufen gelingt immer besser. Diesen Schluss zieht das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer jüngsten Veröffentlichung. Besonders positiv bewertet das Institut die Verbesserung für Personen aus Drittstaaten.

Der MINT-Frühjahrsreport des IW hatte ein großes Medienecho hinterlassen. Darin wurde bekannt gegeben, dass der  Fachkräftemangel der deutschen Wirtschaft im MINT-Bereich auf einem Allzeithoch liege. Bereits darin wurde auf die große Bedeutung von Zuwanderer*innen für die deutsche Wirtschaft hingewiesen: Ohne die Zuwanderung qualifizierter MINT-Fachkräfte, so im Bericht zu lesen, wäre die Fachkräftelücke noch größer ausgefallen und die Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft geringer ausgefallen.

Die Bemühungen der Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für die Zuwanderung aus Drittstaaten zu verbessern, zeigen Erfolge:
Die Erleichterung der  Zuwanderungsregeln für Personen aus Drittstaaten und die aktiver Werbung um akademische MINT-Fachkräfte im Ausland haben dafür gesorgt, dass die Zahl der Zuwanderer*innen aus Drittstaaten seit 2012 von 30.000 auf 53.000, Heimatländer von Geflüchteten wurden nicht erfasst, angewachsen sei. Die Zahl dieser Beschäftigten mache eine  Wertschöpfung von jährlich 3 Milliarden Euro aus. Besonders hoch sei die Zahl der hochqualifizierten Einwanderer*innen aus Indien.

Auch die Zuwanderung akademischer MINT-Fachkräfte aus EU-Ländern habe in diesem Zeitraum stark zugenommen: und sei um 53 Prozent auf knapp 60.000 gestiegen.

Zu dieser Entwicklung haben, wenn auch im Artikel nicht erwähnt, auch die steigenden ausländischen MINT-Studierenden und Absolvent*innen an deutschen Hochschulen ihren Teil beigetragen. Allein in den Ingenieurswissenschaften hat die Zahl der Bildungsausländer*innen von 62.000 (2012) auf über 98.000 (2018) zugenommen. Fast jede/r zweite ausländische Student/in ist in einem MINT-Fach eingeschrieben.

Wie schon im MINT-Frühjahresreport angemerkt müsse, was die Rahmenbedingungen MINT-Facharbeiterberufen angeht, nachgebessert werden: Hier habe sich das Einwanderungsrecht für Personen aus Drittstaaten in den vergangenen Jahren nicht in gleichem Maße weiterentwickelt, sodass sich die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten in diesem Bereich nur leicht (12 %) erhöht werden konnte. Zum Vergleich: Die Beschäftigung von EU-Ausländer*innen in MINT-Facharbeiterberufen sei mit 62% sogar noch stärker gestiegen als in den akademischen MINT-Fachberufen.

https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/beitrag/axel-pluennecke-erste-erfolge-bei-akademischen-mint-berufen.html

 

Vom MINT-Studium in den Beruf – Broschüre von Komm mach MINT veröffentlicht

In der von der Initiative Komm mach MINT jüngst veröffentlichten Broschüre „Vom MINT-Studium in den Beruf“  finden sich Karrieretipps für MINT-Absolventinnen und -Studentinnen.

Allein unter Männer? Das war ein mal!  Frauen in MINT-Berufen sind längst kein Kuriosum mehr, immer mehr Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium und arbeiten in Branchen, die dem MINT-Bereich angehören.

Die 23-seitigen Broschüre bietet ein Überblick der Karriere-Entwicklungsangeboten für MINT-Studentinnen und -Absolventinnen und zeigt wie man diese strategisch nutzen kann. Sie lässt Berufseinsteiger*innen und Expertinnen und Experten zu Wort kommen und gibt Tipps zu Selbstvermarktung und Bewerbung.

Die Broschüre ist kostenlos und kann entweder als Pdf heruntergeladen werden oder per Post bestellt werden.

https://komm-mach-mint.de/MINT-News/Studentinnen-Broschuere?platform=hootsuite

 

 

Die OECD-Studie: Deutsches Bildungssystem eröffnet Chancen

Deutschland überzeugt in OECD-Studie mit einem flexiblen Bildungssystem und zukunftsweisender Qualifizierung

Deutschland steht im internationalen Vergleich mit seinem zweigleisigen Bildungssystem aus beruflicher und akademischer Bildung gut da: Es ermöglicht Chancengerechtigkeit und die Integration junger Zuwanderer. Zudem schafft es durch die hohe Bildungsbeteiligung von Frauen und Männern gleichermaßen und die weit überdurchschnittliche MINT-Orientierung gute Voraussetzungen für die digitale Zukunft. Der diesjährige OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2018“, der von der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) am 11. September 2018 gemeinsam mit der OECD in Berlin vorgestellt wurde, bescheinigt Deutschland ein stabiles, leistungsfähiges Bildungssystem.

„In Deutschland haben wir ein Bildungssystem, das Chancen eröffnet. Es ermöglicht jeder und jedem, die eigenen Fähigkeiten auszubauen, den passenden Karriereweg zu gehen und damit die Grundlage für ein gutes Leben zu legen“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bei der Präsentation der Daten. „Berufliche Bildung und akademische Bildung sind bei uns gleichwertige und zukunftsfähige Karrierealternativen. Das ist unser Wettbewerbsvorteil im internationalen Vergleich und diesen werde ich weiter ausbauen. Es freut mich sehr, dass der OECD-Bericht diese besondere Stärke Deutschlands anerkennt. Wir erkennen aber auch die Herausforderungen. Wir wollen uns mit vereinten Kräften weiter dafür einsetzen, allen Menschen in Deutschland die gleichen Chancen in Bildung, Ausbildung und Beruf zu ermöglichen.“

In den letzten 10 Jahren ist die Beschäftigungsquote für junge Erwachsene im Alter von 25 bis 34 Jahren mit einem Abschluss im mittleren Qualifikationsbereich um sechs Prozentpunkte von 77% (2007) auf 83% (2017) angestiegen. Sie liegt damit weit über dem OECD-Durchschnittswert (77%). Auch bei jungen Zuwanderern funktioniert der Übergang von Bildung in Beschäftigung gut. Die Beschäftigungsquoten von Menschen, die in Deutschland geboren wurden und solchen, die in einem jungen Alter (vor ihrem 15. Lebensjahr) nach Deutschland eingewandert sind, unterscheiden sich kaum: Die Beschäftigungsquote im mittleren Qualifikationsbereich liegt gleichauf hoch bei jeweils 82%. Im höheren Qualifikationsbereich, das heißt bei Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss beträgt die Differenz in der Beschäftigungsquote lediglich einen Prozentpunkt (91% für in Deutschland geborene Personen bzw. 90% für jung Eingewanderte).

Was den Lehrerbedarf betrifft, haben die Länder vereinbart, sich über länderspezifische Konzepte zur Gewinnung von Lehrkräften auszutauschen. „Gerade in Zeiten des erhöhten Lehrerbedarfs, der auch durch die neu Zugewanderten beeinflusst wird, ist es uns wichtig, dass der Lehrerberuf in der Öffentlichkeit eine höhere Wertschätzung erhält. Dies betrifft auch die Quereinsteiger, die eine wichtige und wertvolle Rolle spielen, wenn es darum geht, geregelten Unterricht zu gestalten“, unterstreicht Helmut Holter, Präsident der Kultusministerkonferenz und Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport. „Zusätzlich unterstützen wir die Lehrer mit Schulsozialarbeitern, Assistenten und Integrationshelfern“, erklärt Holter.

In keinem anderen OECD-Land ist der MINT-Abschluss so beliebt wie in Deutschland. Mehr als ein Drittel aller Absolventen (36%) erwarb 2016 einen tertiären Abschluss, d.h. einen Hochschulabschluss oder einen berufsorientierten tertiären Bildungsabschluss, in einem MINT-Fach (OECD-Durchschnitt: 24%). Das Interesse von Frauen an einem Promotionsstudium, auch in MINT-Fächern, ist gestiegen. Fast jeder zweite Anfänger im Promotionsstudium (46%) in Deutschland ist eine Frau und rund 37% der Anfängerinnen entscheiden sich für eine Promotion in einem MINT-Fach. Im OECD-Durchschnitt sind es 31%. Holter erklärt dazu: „Erfreulich ist, dass der Anteil der MINT-Absolventen gemessen an den Absolventen des tertiären Bereichs sehr hoch ist. Wir werden bei den Hochschulen dafür werben, noch mehr internationale Studierende für diese Fächergruppen zu gewinnen, und Bemühungen der Schulen und Hochschulen unterstützen, die das Interesse der Frauen an den MINT-Fächern wecken und ihren Anteil in diesen Studiengängen weiter steigern.“

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse sowie weitere Informationen finden Sie im Anhang 

www.bmbf.de/de/deutsches-bildungssystem-eroeffnet-chancen-6908.html

Das BMBF-Projekt FRUIT

Leider sind Frauen weiterhin in der Unterzahl in den Informatik-Studiengängen. Derzeit liegt die Quote bei 20%. Eine Analyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung mit Bezug auf Unterschiede und Maßnahmen soll aber nun dazu leiten die Attraktivität der Studiengänge bei Frauen zu erhöhen. 

„Den höchsten Frauenanteil bei den Studierenden der Informatik weisen aktuell Berlin und Brandenburg mit jeweils 21,3 Prozent auf. Die geringste Quote (14,6 Prozent) hat Mecklenburg-Vorpommern. Bundesweit gab es laut Statistischem Bundesamt im Wintersemester 2016/17 rund 36.000 Informatik-Studentinnen in Deutschland. Das entspricht einer Frauenquote von 19,4 Prozent in den IT-Studiengängen.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auf Ebene der Teilgebiete der Informatik. Stärker nachgefragt sind bundesweit etwa Studiengänge der Medizinischen oder Bioinformatik mit Frauenquoten von 44,3 bzw. 37,2 Prozent.

„Seit der Einführung der Informatik als Studienfach seit dem Wintersemester 1970/71 hat sich die Zahl der Studierenden in Deutschland deutlich erhöht, jedoch ist der Frauenanteil insgesamt nur sehr gering gestiegen“, sagt Isabel Roessler. Dabei stellen Frauen ein großes Potential bei der Rekrutierung von Nachwuchs im IT-Bereich dar.
Gründe des geringen Anteils sieht die CHE Expertin unter anderem in weiterhin vermittelten Geschlechterstereotypen: „Frauen gehören in der gesellschaftlichen Sicht noch immer in die sozialen, kommunikativen und kreativen Bereiche.“
Ebenfalls würden Hochschulen noch zu selten weibliche Vorbilder und Mitstreiterinnen präsentieren und Studieninteressierten vermitteln, dass in ihren IT-Studiengängen bereits Frauen studieren. Dabei gibt es positive Beispiele. Nicht nur weibliche Professorinnen, sondern auch Absolventinnen und große IT-Pionierinnen wie Ada Lovelace können ins Feld geführt werden.
Entsprechende Beispiele und Analysen zur Situation in Deutschland sind Teil einer Überblicksstudie „Frauen in Informatik“. Die Publikation untersucht, wie der Frauenanteil in IT-Studiengängen erhöht werden kann.

Die Strukturanalyse für Deutschland zeigt dabei, dass eine Flexibilisierung der Studienangebote, etwa in Teilzeit, nicht automatisch einen höheren Anteil weiblicher Studierender verspricht. Gleiches gilt für duale, berufsbegleitende oder praxisorientierte Informatikstudiengänge.
„Die IT-Pionierinnen von morgen gewinnt man für ein Informatik-Studium nur über ein Bündel von Veränderungen“, bilanziert CHE Projektleiterin Isabel Roessler. „Nicht nur, damit mehr Mädchen nach dem Abi ein Informatikstudium starten, sondern auch, um diejenigen nicht zu verlieren, die sich bereits für ein Studium entschieden haben.“

Über diese Studie:
Die Überblicksstudie „Frauen in Informatik“ wurde zusammen mit einem ergänzenden Detail-Papier im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Datengrundlage waren der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz, das CHE Hochschulranking sowie Angaben des Statistischen Bundesamtes. Zu den Autorinnen und Autoren zählen Julius-David Friedrich, Cort-Denis Hachmeister, Sigrun Nickel, Sude Peksen, Isabel Roessler und Saskia Ulrich. Die Publikation gehört zum Projekt „Erhöhung des Frauenanteils im Studienbereich Informationstechnologie durch flexible, praxisorientierte und interdisziplinäre Studienganggestaltung“ (FRUIT). Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1635 gefördert.“ (Komm Mach Mint)

Weitere Informationen gibt es hier:

https://komm-mach-mint.de/MINT-News/FRUIT-Frauenmangel-in-der-Informatik

http://www.che.de/cms/?getObject=5&getNewsID=2157&getCB=398&getLang=de