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Integration von Flüchtlingen an deutschen Hochschulen: Erkenntnisse aus den Hochschulprogrammen für Flüchtlinge

Nachdem in 2015 mehr als eine Million Geflüchtete nach Deutschland kamen, wurde geschätzt, dass ca. 30.000 – 50.000 von ihnen ein ein Studium in Deutschland beginnen oder fortsetzen könnten. Aufgrund der Eile der Situation mussten Hochschulen nun zügig Systeme entwickeln, um Maßnahmen für studieninteressierte Geflüchtete sicherzustellen und ihnen ein Studium zu ermöglichen.

Die Integration in das deutsche Hochschulsystem war dabei großgeschrieben.

Jetzt ist es aber schon 2019, und der aktuelle Hochschulbildungsreport des Stifterverbandes schätzt, dass nun rund 40.000 Geflüchtete bis zum nächsten Jahr an einer deutschen Hochschule immatrikuliert sein werden. Dies und anderes wird in den aktuellen Ergebnissen einer Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bestätigt.

Die Studie umfasst Einsichten und Aussichten verschiedener Hochschulprogramme, die sich auch Flüchtlingsintegration spezialisiert haben.

„Im ersten Jahr der Integra-Förderung, 2016, wurden rund 6.800 geflüchtete Personen in studienvorbereitenden Kursen an Hochschulen und Studienkollegs finanziert,
im Jahr 2017 waren es rund 10.400 Personen. Für das Jahr 2018 geht der DAAD von einer ähnlichen Gefördertenzahl (rund 10.000) aus.

Nach drei Jahren der Förderung lassen sich erste Trends erkennen: Auch wenn die Hochschulen bei der Immatrikulation den Aufenthaltsstatus ihrer Studierenden aus Datenschutzgründen nicht erfragen, so ergeben diverse Erhebungen jedoch, dass sich immer mehr Geflüchtete für ein grundständiges Studium einschreiben.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) befragt jedes Semester ihre 267 Mitgliedshochschulen zu Studieninteressierten und Studierenden mit Fluchthintergrund.“ (DAAD)

Ergebnisse können hier gefunden werden:

https://www.daad.de/medien/der-daad/da_gefluechtete_rz_web.pdf

STUBE: Das Studienbegleitprogramm für Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa

Außeruniversitäre Begleitveranstaltungen, die am Globalen Lernen und dem Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ausgerichtet sind, sollen Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa unterstützen und eine entwicklungspolitische Sensibilisierung und Qualifizierung der Studierenden ermöglichen. Die Transformation zu einer ökologischeren und sozial gerechteren Weltgesellschaft ist dabei das Ziel. In elf Bundesländern bzw. Regionen wird das Programm angeboten und wird aus Geldern der evangelischen Kirche und weiteren öffentlichen Mitteln finanziert.

Die rund 230.000 ausländischen Studierenden, von denen 3/4 in Deutschland aus Entwicklungs- und Schwellenländern kommen, tragen zur Internationalisierung der deutschen Hochschulen bei. Darüber hinaus bereichern sie mit ihrem Fachwissen den deutschen Arbeitsmarkt. Sie sind zukünftig dringend benötigte Fachkräfte in ihrem Heimatland und stellen dann gute Brückenbauer(innen) zwischen den Ländern dar. 85% dieser Studierenden verdienen sich ihr Studium selbst. Sie sind sogenannte „freemover“, d.h. sie erhalten kein Stipendium und damit gibt es für sie keine spezifischen Betreuungsangebote wie für die Stipendiaten. Um sich in der deutschen Hochschul- und Alltagskultur zurechtzufinden, sich sozial zu integrieren sowie ihr Studium entwicklungspolitisch auszurichten, sind Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika auf spezifische Orientierungsprogramme angewiesen.

STUBE bietet diesen Studierenden einen Raum zum erfahrungs- und entwicklungsbezogenen Informationsaustausch. Es setzt schon zu Beginn des Studiums an und ist studienbegleitend ein Forum sowohl für Fragen nachhaltiger Bildung und Entwicklung als auch der persönlichen Zukunftsplanung. Ebenfalls wird ein Bezug zur Heimat geschaffen und erhalten.

Was macht STUBE?

  • Interdisziplinäre, interreligiöse, geschlechtergerechte und diversitätssensible Ausrichtung
  • Partizipation der Studierenden: inhaltlich, logistisch, methodisch
  • Lebensnahe Diskussion von Theorie und Praxis sowie Reflektion von Wissenstransfer
  • Unterstützung der Studierenden, ihr Studium an den Bedürfnissen ihres Herkunftslandes zu orientieren
  • Ausbildung von STUBE MultiplikatorInnen, die im Sinne der SDGs einen Beitrag in Deutschland, zum Beispiel an Schulen leisten
  • Kooperation mit Hochschulen, Hochschulgemeinden, entwicklungspolitischen und interkulturell arbeitenden Initiativen und Organisationen
  • Förderung von Süd-Süd-Netzwerken

Ziele

Mit den Seminarangeboten trägt STUBE zu einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung bei. Mit der Ausbildung und Vermittlung von Multiplikator*innen an Schulen und Gemeinden fördert STUBE Globales Lernen. Mit der Entwicklung von Handlungsperspektiven und der Ermutigung zur politischen Verantwortungsübernahme ist STUBE auch ein Programm der Transformativen Bildung. Soziale Ungerechtigkeit, Verletzung von Menschenrechten, Erderwärmung, Artensterben, Klimakatastrophen, Kriege, – die Menschheit steht vor großen Herausforderungen. STUBE bedeutet, Menschen dazu zu empowern, nicht wegzuschauen, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Daher setzen wir uns für die sozial-ökologische Transformation ein und richten unsere Themen an den 17 universell gültigen Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen aus.

Was bietet das Programm?

  • Wochenendseminare, Studientage, Exkursionen, Ferienakademien, Workshops und Abendveranstaltungen zu entwicklungsbezogenen Themen
  • Multiplikator(inn)enschulungen für interkulturelle und landeskundliche Einsätze zum Beispiel in Schulen und Gemeinden
  • Unterstützung eigener entwicklungsbezogener Aktivitäten der Studierenden an den Hochschulen und in den Hochschulorten
  • finanzielle Unterstützung für ein entwicklungs- und berufsbezogenes Praktikum oder eine Forschungsarbeit im Heimatland (BPSA)
  • Vorbereitung auf die Rückkehr ins Heimatland und Existenzgründung in länderübergreifenden Seminaren
  • Nachkontakt- und Alumniarbeit mit ehemaligen Teilnehmer(innen) des STUBE-Programms

Weitere Informationen gibt es hier:

http://stube-info.de/

 

 

 

 

 

Neuestes Best-Practice: Wissenschaftliche Schreib- und Sprechwerkstatt

Die Hochschule Darmstadt hat ein super Projekt für internationale Studierende entwickelt, welches ihnen bei der Eingliederung in den Hochschulalltag und mit den speziellen Anforderungen deutscher Hochschulen unterstützen soll:

Internationale Studierende kommen aus anderen Kulturen, in denen auch häufig andere kulturelle Standards gelten. Diese anderen Standards gelten ebenso im Hochschulalltag, genauer beim wissenschaftlichen Schreiben und Präsentieren. Ziel der beiden Veranstaltungen ist es daher, die internationalen Studierenden zunächst einmal über die kulturellen Standards im deutschen Wissenschaftsbetrieb beim Schreiben und Präsentieren zu informieren („Was wird eigentlich von mir erwartet?“) und dann die entsprechenden Standards zu üben bzw. anzuwenden. Darüber hinaus kommen internationale Studierende häufig aus Schulsystemen, in denen sie wenig oder gar keine Gelegenheit hatten, mündliches Präsentieren zu lernen oder zu üben. Sie sind daher ihren deutschen Kommilitonen, die bereits im Grundschulalter ihre ersten Präsentationen halten, deutlich unterlegen. Um eine Chancengleichheit für internationale Studierende zu gewährleisten, ist daher eine besondere Unterstützung wichtig.

Weitere Informationen hier:

Aktualisiertes Best Practice: RISWU: Regional-International: Study and Work in Ulm

Durch das Projekt „Regional-International: Study & Work in Ulm“ wurden einerseits Angebote zum Übergang vom Studium in den Beruf strukturiert und für die Studierenden aus einer Hand ersichtlich angeboten sowie andererseits das Potenzial ausländischer Absolvent*innen für Arbeitgeber*innen verdeutlicht und deren Internationalisierungsstrategien unterstützt. Über die Bildung eines regionalen Netzwerkes zur Bindung von ausländischen Studierenden für den regionalen Arbeitsmarkt arbeiten Partner*innen aus verschiedenen Institutionen und Handlungsfeldern gemeinsam an einem institutionsübergreifenden Programm zum Übergang ausländischer Studierender vom Studium in den Beruf im Wirtschaftsraum Ulm.

Folgende Maßnahmen beinhaltete das Projekt:

  • Maßnahmen für internationale Studierende, Promovierende und Absolvent*innen
  • 2-3 Betriebs- bzw. Forschungsinstitutsbesichtigungen pro Semester:
  • großes Interesse seitens der Studierenden, Vernetzung mit potentiellen Arbeitgeber*innen in der Region
  • 2 Workshops pro Semester für internationale Studierende zum Themengebiet Bewerben und Arbeiten in Deutschland,
  • Networking sowie Arbeits- und Aufenthaltsrecht
  • Einzelberatung bei Jobsuche und Bewerbungscoaching
  • Mitorganisation von Karrieremessen an der Universität Ulm (BioChemContact, Career Day in den Ingenieurwissenschaften) sowie Erstellung eines Rahmenprogramms während der Messen (Bewerbungsmappencheck, Fotoshooting, Vorträge)

Veröffentlichungen und Netzwerkarbeit

  • Erstellung eines institutionsübergreifenden Semesterprogramms – Bündelung der Angebote der lokalen Netzwerkpartner für die Zielgruppe internationale Studierende in einem Semesterprogramm
  • Publikation einer Informationsbroschüre zum Themengebiet Arbeiten nach dem Studium in Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem lokalen Netzwerk
  • regelmäßige Austauschtreffen mit lokalem Netzwerk

Maßnahmen für Unternehmen:

  • Business-Lunch zum Aufbau eines Unternehmensnetzwerks
  • Profilerstellung und –Darreichung der im Studium erworbenen Kompetenzen der internationalen  Absolvent*innen der internationalen und englischsprachigen Studiengänge
  • Workshop zu Aufenthaltsrecht für potentielle Arbeitgeber*innen

weitere Informationen:

www.study-work.de/projekte/ulm/index.html

www.uni-ulm.de/io/info/projekte/study-and-work

zum Best Practice:

https://club-minternational.de/best-practice/riswu-regional-international-study-and-work-in-ulm/

Veranstaltungen

Videos in der Hochschullehre – Theoretisch, Praktisch, gut!